“Da war doch noch was!” oder: FSV Zwickau vs. BSG Chemie Leipzig

Wir rekapitulieren nochmal: Das, was dem Schauspiel am Spielfeldrand mit all seinen farbenfrohen Facetten – subsumierbar als ein Aspekt der Fankultur, dem sogenannten Support – seine Daseinsberechtigung verleiht, ist das merkwürdige Spiel, was auf einer rechteckigen Rasenfläche mit weißen Linien und zwei mit Netzen bespannten Alugebälken an den äußeren Enden stattfindet. Aus scheinbar unerklärlichen Gründen zieht es seit mehr als 150 Jahren die Menschen aller Schichten in unnachahmlicher Manier in seinen Bann. Ihr ahnt es schon, liebe Leser, es handelt sich um das schönste, was die Welt je hervorgebracht hat. Was uns den oftmals allzu tristen, grauen Alltag versüßt, in einer ungeheuer dynamischen Welt Halt und Identifikation bietet – und was euch eben noch so für Gründe einfallen, warum es uns das Leben lebenswerter macht.

Das Fußballspiel!

Die Spieler in grün-weiß reisten, wie es sich für einen volksnahen Verein gehört, zusammen mit den Fans an. Darf gern tradiert werden!

So eins fand nämlich gestern auch statt, auch wenn ca. 60% der Zuschauer eher wenig Notiz davon nahmen. Ich habe mir Mühe gegeben, dem Geschehen auf dem grünen Rasen ebenso viel Aufmerksamkeit zu schenken wie dem Treiben auf den Rängen Hügeln. Und eines garantiere ich euch (denen, die nicht da waren und es nicht sehen konnten und denen, die da waren und es nicht sahen): Ihr habt echt was verpasst!

Voller ...

Die Spieler mit dem magischen Fünfeck auf der Brust erboten den interessierten Zuschauern eine Leistung, die ich ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten hätte. Kein Ball wurde verloren gegeben, man warf sich förmlich in die Zweikämpfe und an pointierter Stelle blitzte sogar so etwas wie richtig gute fußballerische Qualität auf – im positiven Sinne weit vom besseren Kreisklassenniveau entfernt. Ohne jeden Zweifel die stärkste Vorstellung, die die B(all)SG Chemie Leipzig jemals erbot! Wer dabei gewesen ist, wird mir endgültig zustimmen, dass die Jungs sich dieses Trikot wirklich verdienen!

... Körpereinsatz!

Die meiste Zeit doch irgendwie ins Getümmel der Fankurve involviert, kann ich leider keinen “Kicker”-würdigen Spielbericht präsentieren, versuche aber dennoch mein bestes. Bereits kurz nach Spielbeginn drang Sven Schlüchtermann im wahrsten Sinne des Wortes unwiderstehlich in den Zwickauer Strafraum ein und wurde unsanft zu Fall gebracht. Das jederzeit souveräne Schiedsrichterkollektiv zögerte keine Sekunde und entschied auf Strafstoß! Marco Blanc trat an und verwandelte souverän. Wer nun dachte, es handele sich um einen reinen Glückstreffer und die Gastgeber würden nun bald mit Leichtigkeit zurückschlagen, der sah sich getäuscht. Chemie parierte Angriff um Angriff der technisch natürlich versierteren Zwickauer mit Bravour und suchte sein Heil in Kontermöglichkeiten. In der 34. Minute war es dann aber doch passiert – Zwickau glich durch Mitzerschling zum 1:1 aus und ging sechs Minuten später auch noch durch Neumann in Führung. Egal, schließlich ging es auch für die Spieler um mehr als nur das Ergebnis! Anschließend passierte nicht mehr viel – Halbzeit!

Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte (herrliche Fußballfloskel): Zwickau angesichts seiner spielerischen Überlegenheit dominant, ohne jedoch in der Lage zu sein, die Leutzscher an die Wand zu spielen und seine Führung auszubauen. 15 Minuten waren gespielt, da nahm der heute sehr gut aufgelegte Blanc einen herrlichen Steilpass hervorragend mit und überwand FSV-Hüter Kallisch mit einem fantastischen Schlenzer ins rechte Eck. Jaaaaa!!

An diese Stelle gehört definitiv ein Jubelbild hinein, wer kann mir aushelfen?

Um den Oberligisten nun nicht vollends zu blamieren, entschieden die Gäste, ein wenig nachzuhelfen und ließen in der 68. Spielminute einen eher harmlosen Freistoß, ausgeführt von Marco Wölfel, Freund und Feind passieren und letztlich in der rechten unteren Ecke landen. Die Intention war zwar zu offensichtlich, doch ein kleines Gastgeschenk zum Freundschaftskick dürfte in Ordnung gehen. Am Ende war deutlich zu spüren, wieviel unsere Chemiker investiert hatten und die Kräfte gingen zu Neige, was sie allerdings nicht davon abhielt, mit voller Leidenschaft das Spiel bis zum Ende mitzugestalten. Ich möchte jedem (!) Spieler einfach nur meinen größten Respekt für das Geleistete, auch im Ligenalltag, aber insbesondere heute, aussprechen. Mit dieser Courage ist das Ende der Fahnenstange in sportlicher Hinsicht noch lange nicht erreicht! Ihr dürft wahrlich stolz auf euch sein!

Unsere Helden in grün-weiß!

Bilderquellen: Chemie Leipzig Fotopage und Galerie des Freien Chemiefanforums

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6 Antworten zu “Da war doch noch was!” oder: FSV Zwickau vs. BSG Chemie Leipzig

  1. Pingback: „Sag mal, wie ham se’nn eigentlich gespielt?“* oder: FSV Zwickau vs. BSG Chemie Leipzig | Das Blog vom Sündenbock

  2. steamhammer schreibt:

    Super Bericht. Sehr schön dargelegt,so kann sich jeder das Szenario bildlich vorstellen. Diese “Auswertung” läßt hoffen auf eine tolle zweite Halbserie.

  3. Physiker schreibt:

    Super Blog, lese ich immer wieder gerne. Weiter machen!

  4. ichmalwieder schreibt:

    auch das kann ich so unterschreiben. Also alles etwas zusammenfassen und als Pressemitteilung an L-IZ , Sachsensonntag und LVZ.

  5. Gut so, uneingeschränkt lesenswert, vielen Dank ;-)

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